Weltethos und das Weltethos-Institut: Ein Beitrag zur Zukunftsgestaltung

KORRUPTION IN DER GESELLSCHAFT – KORRUPTION IN DER POLITIK
3. Juli 2021

Weltethos und das Weltethos-Institut: Ein Beitrag zur Zukunftsgestaltung

Der Theologe Hans Küng (1928-2021) hat ein Lebenswerk geschaffen, das nachwirkt. Denn wir brauchen eine sinnvolle Leitidee für das gute Zusammenleben aller Menschen in der globalen Zivilgesellschaft, also weltweit, unabhängig von Politik, Ideologie und Religion.

Diesen Gedanken greift das Weltethos-Institut in Tübingen auf. In Verbindung mit der Weltethos-Stiftung, die stärker auf den Bereich Schule und Bildung abzielt, deckt es besonders den Bereich der Universität und wirtschaftlichen Praxis ab. Denn zu den großen Aufgaben des 21. Jahrhunderts gehört eine wertegeleitete, menschlich zuträgliche Form des Wirtschaftens, die nicht mehr einseitig auf die Gewinnmaximierung des Homo Oeconomicus abzielt, sondern die einen Gemeinwohlbeitrag leistet.

Das Weltethos-Institut steht daher für ein „Lernprogramm für Selbst- und Weltverantwortung“, das ethische Sprachfähigkeit fördert und auf Vertrauensaufbau zielt. Zu diesem Zweck werden Weltethos-Ambassadore ausgebildet, die sich an einem Leuchtturm der verbindenden Werte ausrichten. Hintergrund sind die Weltethos-Werte, wie sie vom Parlament der Weltreligionen zuletzt 2018 bekräftigt wurden.

Für zukunftsfähiges Leben und Wirtschaften geht es aber auch um die einzelne Person in ihrem dynamischen Identitätslernen. Erst im Dialog lernen wir, wer wir sind. Offenes Identitätslernen ist ein begegnungs- und dialogbasiertes Lernen, das das Recht auf die eigene Perspektive ebenso wie die Pflicht zur Anerkennung des anderen umfasst. Es geht also um die Verbindung von Menschenrechten und Menschenpflichten im praktischen Tun.

Um wirksam zu werden, ist die Vertiefung in bestimmten Handlungsfeldern erforderlich. Im Weltethos-Institut geht es speziell um das Lernen für die soziale Innovation, um die Ethik der digitalen Welt und die Befähigung zur Demokratiebildung.

Denn die Weltethos-Gedanken von Hans Küng wurden im 20. Jahrhundert formuliert. Um sie für die heutige Zeit fruchtbar zu machen, müssen wir uns jedoch mit den Herausforderungen der eigenen Zeit beschäftigen. Dazu gehört die digitale Transformation, aber auch die Erkenntnis, dass der Wert der digitalen Selbstbestimmung, der digitalen Selbststeuerung und der wertebasierten Datenkompetenz zentral wird und bleibt, auch mit Blick auf neuere Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz. Nicht zuletzt deshalb engagiert sich das Weltethos-Institut im Public Advisory Board des CyberValley Tübingen-Stuttgart, dem größten europäischen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz.

Im Hintergrund steht aber immer der Gedanke der Humanität. Denn es ist unsere Aufgabe, die gegenwärtige Welt zu gestalten und für eine humane Zukunft zu kämpfen. (Ulrich Hemel)

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