Die Menschheit im Wandel der Zeit – Vom Monolog zum Dialog

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Die Menschheit im Wandel der Zeit – Vom Monolog zum Dialog

Prof. Dr. Leonard J. Swidler, Philadelphia

Die Menschheit im Wandel der Zeit – Vom Monolog zum Dialog

(Auszug aus einem in Englisch gehaltenen Vortrag an der Wiener Universität, verfasst von
Mag. Irene Klissenbauer)

Ein Blick in die Geschichte, die Betrachtung der Moderne, ebenso wie die
Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Sichtweisen von Wahrheit, die historisch,
intentional, soziologisch, hermeneutisch und dialogisch sein können und müssen, zeigt, so
Professor Leonard Swidler während seines Vortrags beim Dies Facultatis der Katholischen
Fakultät in Wien im Oktober 2011, deutlich den Wandel der Zeitalter.
Während sich die letzten Jahrhunderte als Zeitalter des Monologs erweisen, befinden wir
uns heute im Zeitalter des Dialogs, das heißt in einem Zeitalter, in dem der Dialog nicht
mehr nur wünschenswert, sondern zwingend notwendig geworden ist. Dies erklärt sich
schon allein daraus, was Swidler als den „kosmischen Tanz des Dialogs“ beschreibt. Dabei
geht es einerseits um die wahre Bedeutung von Dialog als „gemeinsames Nachdenken“,
andererseits um die prinzipielle sprachliche Verfasstheit der Welt und des menschlichen
Lebens. Menschliches Leben, das im 21.Jahrhundert ausschließlich als gemeinschaftliches
Leben verstanden und gelebt werden kann, kommt nicht umhin, diesen „kosmischen Tanz
des Dialogs“ wahrzunehmen. Die Entscheidung, so Swidler, kann in diesem Zeitalter nur
mehr zwischen Dialog und Tod getroffen werden.
Dabei ist der Dialog als ganzheitlicher zu sehen, sodass nicht nur die Ebene des Verstandes
und jene der ethischen Dimension betroffen sind, sondern auch die Ebene der Emotion, der
Ästhetik, genau so wie jene der Heiligkeit („Dialogues of the Head, Hands, Heart in Holistic
Harmony of the Holy Human“- so Swidler wörtlich).
Von größter Bedeutung ist, sich stets präsent zu halten, dass kein Mensch jemals alles über
irgendeinen Bereich des menschlichen Lebens wissen kann und dass es daher notwendig
ist, GEMEINSAM nach der Wahrheit zu suchen, die nur mithilfe des „Tiefendialogs“ im
Zusammenhang mit der Tradition kritischen Denkens gefunden werden kann. Dabei stellen
kritisches Denken und Tiefendialog zwei Seiten derselben Medaille „Humanität“ dar.
Zu dieser gehört es wesentlich, in jedem Gespräch Fragen zu stellen, wie jene nach
der wahren Bedeutung dessen, was der Gesprächspartner einem mitzuteilen versucht,
ebenso wie die Fragen nach dem Ursprung von Überzeugungen und jene nach dem wohin
Überzeugungen führen.
Um einen wahrhaften Dialog überhaupt führen zu können, muss man eigene Vorannahmen
überprüfen, die eigene Sicht als bloß subjektive entlarven und sich der Bedeutung bewusst
sein, die Aussagen in ihrem jeweiligen Kontext haben.
Um ein gelungenes Zusammenleben auf Dauer gewährleisten zu können, ist es
unumgänglich, Fragen zu stellen, bereit zu sein, vom Anderen lernen zu können und
Auskunft über Eigenes zu geben.
„Interreligious, interideological dialog is absolutly necessary in our contemporary world.“-
Swidler, 17.10.2011, Wien

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