Vom Wissen zum Tun
In letzter Zeit wurde darüber diskutiert, dass die Mitmenschlichkeit weniger geworden sei, dass wir – gesellschaftlich gesehen – in einer kühleren Welt leben. Diese Ansicht wird nicht von allen geteilt. Dennoch gibt es genug zu tun, um zwischen den Menschen und auf dem Planeten Erde Frieden zu schaffen.
Die Frage, die sich heute stellr, ist: Was treibt Menschen dazu, sich ethisch richtig zu verhalten? Wie kann man die Menschen dazu bringen, aufeinander Rücksicht zu nehmen, einander zu verstehen, miteinander in Frieden zu leben?
Man ist geneigt, zu denken, dies hänge hauptsächlich von der inneren Einstellung ab. Doch wie kann man diese lehren? Es gibt auf dem Weg von der Handlungsabsicht zur Handlung noch weitere Faktoren, die das Verhalten in einer bestimmten Situation steuern. Diese liegen einerseits in der Person (Wissen/Einstellung, Gewohnheiten, Fähigkeiten) und andererseits in der (sozialen) Umwelt, wozu auch gesellschaftliche Normen gehören. Manche Situationen machen es aber geradezu unmöglich, sich gemäß der inneren Einstellung zu verhalten. Auch eine bestimmte Absicht kann, zum Beispiel durch den Druck einer Gruppe, nur sehr schwer umgesetzt werden.
Vom Einzelnen schwierig zu beeinflussen sind die Gesetze, die Infrastruktur, die Medien, die öffentliche Diskussion. Einfacher ist es, bei den eigenen inneren Faktoren zu beginnen, z. B. neue Gewohnheiten zu etablieren und somit als Vorbild voranzugehen. Dies hat auch Auswirkungen auf die Einstellungen und das Verhalten anderer. Das Bewusstsein für ethisch richtiges Handeln soll immer wieder neu gestärkt werden – gerade wenn die Umgebungsfaktoren nicht dazu animieren.
Der moralische Zeigefinger hat wenig Wirkung. Besser ist es, sich selbst mit ethischen Themen auseinanderzusetzen. Das bedeutet Reflexion: die Nöte und Ängste anderer Menschen verstehen, deren Bedürfnisse und Motivationen ergründen, in ihrer vollen Komplexität. Es bedarf der Diskussion und des Austausches – nicht nur mit Gleichgesinnten.
Dafür finden sich viele Gelegenheiten. Man nimmt sich einen Moment Zeit, um sich zu fragen: „Wann und wo möchte ich dieser Bewusstmachung noch Raum geben? Was möchte ich mir zur Gewohnheit machen?“
Mitgefühl ist der Schlüssel, um mit sich selbst und seinen Mitmenschen verbunden zu sein. Das führt zu einem achtsamen Umgang mit den Anderen und mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen der Erde. Daran kann sich nur jede/r selbst immer wieder liebevoll erinnern. (Johanna Schaupp)
Ethisches Verhalten ist ein komplexer Altruismus. Er besteht sowohl aus Gefühlen wie aus Abwägungen
(Richard David Precht)