Der leider hauptsächlich in der westlichen Hemisphäre seit Jahrhunderten grassierende Antisemitismus ist einfach ein ethisches Problem, dessen Wurzeln und Ursachen eher zweitrangig sind. Diese mögen Soziologen, Philosophen, Theologen etc. erforschen, was letztlich meistens zu einer Generalisierung und Pauschalierung führt. Diese tun jedoch den einzelnen Menschen Unrecht und sind schon deshalb abzulehnen.
Antisemitismus verstößt gegen sämtliche ethischen Prinzipien:
Gegen das Humanitätsprinzip, das besagt, jeder Mensch soll menschlich behandelt werden, was bei Diskriminierungen, Demütigungen und Verfolgungen nicht beachtet wird.
Gegen die Goldene Regel – behandle die anderen so, wie du selbst behandelt werden willst -, was Jüdinnen und Juden gegenüber genau so gilt wie allen anderen Menschen gegenüber.
Gegen die Ehrfurcht vor dem Leben, wozu gehören Gewaltausübung in jeder Form, Beschimpfungen, Verhöhnungen, Quälereien, etc.
Gegen Gerechtigkeit und Fairness, wenn jüdische Menschen ausgegrenzt, als Menschen zweiter Klasse, argwöhnisch und misstrauisch behandelt werden.
Gegen Wahrhaftigkeit und Toleranz, wenn mit dümmlicher Überheblichkeit nationalistisch und rassistisch argumentiert wird.
Gegen Achtung und Partnerschaftlichkeit, wenn Menschenwürde, Gleichberechtigung und vor allem Gleichwertigkeit missachtet werden.
Gegen die Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl, weil dieses in einer antisemitischen Gesellschaft schwer gestört wird.
Es geht in der Ethik um Gesinnung, nicht um Moral, denn die ist das Gesetz und betrifft die punktuelle Handlung. Es kann geändert, ersetzt und abgeschafft werden. Das gilt für die oben genannten ethischen Richtlinien nicht. Sie haben immer gegolten, gelten und werden immer gelten, solange Menschen auf diesem Planeten friedlich zusammen leben wollen.
Ein hohes Ethos jedoch kann, ja sollte jede/r haben – angefangen vom einfachsten Menschen bis zur/m Intellektuellen! Leider ist dem allzu oft nicht so, was immer wieder zu Verfolgungen, Verleumdungen, Gehässigkeiten aller Art, ja bis zu Ermordungen führte und führt.
Wie im Logo der Initiative Weltethos Österreich vorgesehen, muss es zu einer „ethischen Bewusstseinsbildung“ kommen. Jede auf ihrem und jeder auf seinem Platz ist aus ethischen Gründen verpflichtet, den Antisemitismus zu tabuisieren, damit er einfach nicht mehr salonfähig ist. Das ist bei anderen Themen schon gelungen, warum nicht auch bei diesem?